„…gefangen wie ein Insekt in Bernstein“ – Diskussion am Helmholtz-Gymnasium über die verschiedenen Formen des Rassismus heute wie früher

Mit einer Lesung und anschließenden Diskussion hat das Helmholtz-Gymnasium – seit fünf Jahren „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – an der „Internationalen Woche gegen Rassismus“ teilgenommen. Richard Fraysier, als Sohn eines afrikanischen Arztes und einer deutschen Krankenschwester im Bonn der 60er und 70er Jahre aufgewachsen, las am 11.03.2016 vor Schülern der Oberstufe aus seiner autobiografischen Erzählung „Mischlingskind“ und zeichnete in seinem Vortrag das Bild eines früh wegen seines Aussehens Ausgestoßenen, der den Hass auf eine andere Hautfarbe und die von Generation zu Generation vererbten Vorurteile immer wieder aufs Neue erleben musste. Eine echte Zukunftsperspektive könne dadurch nicht wachsen, die Möglichkeiten der Jugend seien nur sichtbar, aber nicht verwirklichbar: „Das ganze Leben noch vor sich und doch gefangen im Schicksal wie ein Insekt im Bernstein.“ Für die Schüler entstand dadurch ein Bild ihrer Stadt Bonn, das sich in vielen Details von ihrem heutigen Alltag unterscheidet; sensibilisiert für die verschiedenen Formen des Rassismus und immer wieder aufgefordert, gerade auch verbaler Gewalt entgegenzutreten, erschien ihnen die dargestellte Offenheit der Diskriminierung heute kaum möglich. Im anschließenden Gespräch zeigte sich jedoch, dass der Hass auf andere – etwa in der Flüchtlingskrise – weiterhin besteht, sich nur anders ausdrückt und immer noch als Herausforderung verstanden werden muss, ihm couragiert zu begegnen. Dabei helfe es, die Gemeinsamkeiten wahrzunehmen, anstatt schon in jungen Jahren Hass beizubringen. Was außerdem unabdingbar im Kampf gegen Rassismus ist, hinterließ Fraysier den Schülern handschriftlich: Seine der Schulbibliothek geschenkten Exemplare versah er mit einem Zitat Ciceros: Dum spiro spero. Solange ich atme, hoffe ich noch.

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